Mars Talk mit Prof. Jaumann

Mars: Reisefantasien zu ihm werden en vogue. Glaubt man Elon Musk, so soll die erste Reise in wenigen Jahren möglich sein. Doch der Mars ist weit weg. Die geringste Entfernung beträgt gut 54 Millionen Kilometer, die weiteste gut 400 Millionen Kilometer. Zwischen uns und ihm befindet sich die Sonne; er ist doppelt soweit von ihr weg wie die Erde. Er braucht zwei Jahre für einen Umlauf um die Sonne, die Erde nur ein Jahr. Ist unser blauer Planet auf der einen Sonnenseite, tummelt er sich auf ihrer gegenüberliegenden.

Laut Planetenexperten ist der Mars von der Erde aus nur alle neuen Monate gut erreichbar. Dennoch, Musk und Co. wollen den Mars-Tourismus etablieren. Kann das wirklich funktionieren? Vor Milliarden von Jahren wäre die Wahrscheinlichkeit größer gewesen, weil die Marsatmosphäre noch viel dichter war. So gab es damals Flüsse, Seen und vielleicht sogar Ozeane auf dem roten Planeten. Gut für die Tourismusbranche, denn dann hätten die Urlauber am Strand sein können. Was sie aber dort hätten tun sollen, bleibt fraglich. Sich sonnen zumindest nicht: Kein Schutz vor Partikelstrahlung und starke Hautverbrennungen durch UV Strahlung hätten das Sonnenbad in eine Quälerei verwandelt. Alpinismus vielleicht – alle Berge unbestiegen. Der höchste – Olympus Mons – ragt 27 Kilometer hoch – ein Paradies für Gipfelstürmer/innen.

Das ist nicht auf dem Mars
Das ist nicht auf dem Mars

Und heute? Die Situation hat sich nicht verbessert, im Gegenteil. Von der Atmosphäre ist noch weniger da als vor diesen vielen Milliarden von Jahren und ein Magnetfeld wollte sich seitdem auch noch nicht einstellen. So verpufft das bisschen Atmosphäre nach und nach, vom Sonnenwind angetrieben, weiter in den Weltraum. Aber auch die Staubstürme auf dem Mars verdunkeln die Sicht auf die 20.000 er, die übrigens auch heute noch unbestiegen sind. Zuletzt gab es im Juli 2018 einen globalen Sturm. Diese Stürme formen immer wieder große Dünenfelder. Wie wild die Windverhältnisse auf dem Mars sind, zeigen Bilder von geschlängelten Bahnen auf seiner sandigen Oberfläche, die durch Tornados entstehen.

Warum wollen Elon Musk und die NASA dennoch die Reise zum so entfernten Wandelstern Mars möglich machen? Aha! Es geht um Profit! Wer viel Geld investiert, wird am Ende noch mehr Geld verdienen. Ob diese Weisheit auch in Sachen Marsurlaubsvorhaben gilt? Professor Dr. Ralf Jaumann, Planetenwissenschaftler beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sieht das nüchterner:

„Der Mars braucht doppelt so lang um die Sonne wie die Erde. Einzig mögliche Reisekonstellation ist, wenn Erde und Mars auf dergleichen Seite von der Sonne sind. Und das passiert nur alle zwei Jahre. Und für den Transport braucht man richtig viel Energie, denn die Reisezeit beträgt sechs Monate. Nehmen wir nun einmal an, das ist alles geglückt und unsere Urlauber sind jetzt auf dem Mars gelandet. Die wollen doch sicher alle wieder zurück. Zu beachten ist jetzt, dass Mars und Erde rund neun Monate brauchen, um in einer günstigen Position zueinanderzustehen, damit der Rückflug glücken kann. Das bedeutet, die Urlauber müssen neun Monate auf dem Mars rumsitzen und warten bis sie wieder zur Erde zurückkommen. Das bedeutet wiederum, man benötigt rund zwei Jahre, um einen Menschen hin- und zurückzubringen.“

Und dann spricht er vom Geld: „Der NASA Rover Curiosity wiegt eine Tonne. Um diese eine Tonne auf die Oberfläche des Mars zu bringen, waren an die zwei Milliarden Dollar nötig. Das kann sich die NASA nicht alle zwei Jahre leisten. Wenn ich nun drei Astronauten sechs Monate da oben rumsitzen lasse, dann brauche ich mindestens zehn Tonnen für Infrastruktur, Nahrung, Sauerstoff, Wasser und Ausstattung. Auch wenn das ganze nur 80 Prozent von dem kosten würde, was die NASA zur Zeit veranschlagt, wirds trotzdem sehr teuer. Außerdem müssen die Raketen erst einmal gebaut werden. Diese zehn Tonnen Material brauchen nach jetzigem Stand mindestens zehn Raketen. Der Bau einer Rakete dauert auch rund zwei Jahre. Wenn man das unter diesen Bedingungen also machen möchte, dann wird man wohl in 10 oder 20 Jahren fertig sein, um die Infrastruktur dort oben so hergerichtet zu haben, dass man Menschen hinbringen kann. Nur unter der Voraussetzung, man würde sofort anfangen und würde jetzt sofort die ersten zwei Milliarden investieren.“

Und die Marsbesiedelung? Auch die wird diskutiert, um für den Menschen einen Zufluchtsort zu finden; wir wollen ja nicht aussterben. Doch die Besiedelung des Mars durch den Menschen ist noch unrealistischer als dort Urlaub zu machen.

Eben weil die Erde aus geologischer Sicht das perfekt Raumschiff ist und der Mars nicht, macht es mehr Sinn, die Technologie zu entwickeln, um die Erde instandzuhalten und notfalls wieder zu reparieren, als sich Planeten so zurechtzubiegen, damit der Mensch dort leben kann.

Der Mars ist trockener, kälter und die Atmosphäre ist viel dünner als an den übelsten Orten hier auf der Erde, wie etwa die Antarktis es ist. Um den Mars bewohnbar zu machen, müsste man terraforming betreiben oder eben alles mitnehmen.

Und nun die Frage nach den grünen Männchen. Glaubt der Planetenforscher an extraterrestrische intelligente Lebewesen dort auf dem Mars? Ein klares Nein. „Erstens könnte man den Funkverkehr sogar von der Erde abhören. Zweitens hätten die seit 10 Jahren um den Mars kreisenden Raumschiffe schon längst Bewegungen registriert und nicht natürliche Strukturen erkannt, und drittens hätten die drei amerikanischen Rover, die auf der Oberfläche fahren, ebenfalls etwas bemerken müssen. Denn irgendwas müssen die ja auf dem Mars tun.“

Frage: Stimmen diese Annahmen irgendwie nur, solange man davon ausgeht, dass die Außerirdischen lediglich dieselbe Technologie haben wie wir und nicht fortgeschrittener sind – was sein könnte? „Nein“, sagt Ralf Jaumann. „Auch wenn die mehr könnten als wir, würden wir das bemerken, weil es nicht-natürliche Prozesse wären …

… Einzige Ausnahme: Die Aliens sind mirkoskopisch klein.“

Wie weit ist man eigentlich, Proben vom Mars auf die Erde zurückzubringen? „Auch davon sind wir noch viele Jahre entfernt, vielleicht zehn. Wir haben bislang nur Meteoriten vom Mars. Doch woher von der Oberfläche die kommen, wissen wir nicht. Das Problem ist, dass wir dort oben kein Labor installieren können – zu groß, zu viel Material. Es ist also einfacher und billiger Proben zur Erde zurückzubringen.

Fazit und dennoch: Der Mars ist und bleibt ein Faszinosum für die Menschen. Wissenschaftler können an ihm die Entstehung der Erde und anderer Planeten erforschen. Denn die Erde verschluckt sich selber – versenkt immer wieder seine Kruste in den Untergrund, wo sie aufgeschmolzen wird und wieder als frische Lava über Vulkane an die Oberfläche gelangt. Das tut der Mars nicht, weil er keine Plattentektonik hat. Die ältesten Stellen an der Oberfläche der Erde sind rund drei Milliarden Jahre alt. Aber keine 4,5 Milliarden Jahre. Das war die Zeit, als die Erde entstand. Bei Mars und Mond sind noch viel weitere geologische Rückblicke möglich, weil deren Oberfläche eben nicht ins Innere ihrer Planeten versinkt. Und so versucht man quasi über Bande, herauszubekommen, wie die Erde ein so perfektes Raumschiff werden und warum sich Leben entwickeln konnte.

Angelbich: Die Mars-Karte
Angelbich: Die Mars-Karte

Übrigens: Angeblich hat die Mars-Karte von Giovanni Schiaparelli 1877 den Sciencefiction-Boom ausgelöst. Er sah auf dem Mars „canali“ (italienisch Rinne). In anderen Sprachen wurden daraus Kanäle. Die Assoziation mit künstlich angelegten Wasserstraßen ließ Sciencefiction-Fantasien in der Literatur grenzenlos werden. Und als dann im Raumfahrtzeitalter klar war, dass der Mars tatsächlich habitabel sein könnte, bekamen die Ideen und Visionen um die Bewohnbarkeit des Mars neuen Antrieb.

Ende nicht in Sicht!

Was zum Schmunzeln: Faktencheck „Die Marsiener
Was zum Nachdenken: 400 Kilometer zur ISS mit Herrn Gerst

Kontakt
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
ralf.jaumann@dlr.de

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