Foto ©eshma - stock.adobe.com
Foto ©eshma - stock.adobe.com

Produkte aus artgerechter Tierhaltung zu kaufen, ist vielen sehr wichtig. Können Discounter in dieser Beziehung vertrauensvoll sein oder kann das nur der Hofladen um die Ecke oder der Bioladen? Das Beispiel eines bekannten Discounters könnte ein erster Schritt sein. Ganz interessant, was Lidl vorhat, ob das aber reicht, bleibt abzuwarten.

Dennoch stellen wir es hier einmal vor. So will Lidl ab Ende Juli eine zwei Sterne Milch anbieten. Diese beiden Sterne verweisen auf den Tierschutzbund. Die Zertifizierung mit dem Tierschutzlabel beinhaltet, dass den Kühen unter anderem ein komfortabler Fress- und Liegeplatz zur Verfügung steht sowie eine jährliche Klauenpflege durchgeführt wird. Verboten ist beispielsweise die Enthornung der Kälber ohne Betäubung.

Dies Vorhaben wirkt wie ein Feldversuch. Zuerst bekommen Milchtrinker im nördlichen Nordrhein-Westfalen und später dann diejenigen in ganz Nord- und Ostdeutschland diese angeboten. Und Süddeutschland? Hier erläutert uns der einkaufende Geschäftsleiter bei Lidl Deutschland, Jan Bock, die Verhältnisse so: „Nachdem bereits die Alpenmilch die Einstiegsstufe und die Milchprodukte unserer Regionalmarke ‚Ein gutes Stück Bayern‘ die Premiumstufe des Tierschutzlabels tragen, ist die Einführung der Weidemilch mit dem Zwei-Sterne-Label des Deutschen Tierschutzbundes eine weitere Maßnahme für mehr Tierwohl in den Ställen.“

Und abgepackt wird in Plastikflaschen. Doch die bestehen aus 50 Prozent recyceltem Material. Zusätzlich zum Tierschutzlabel ist die Weidemilch mit dem „Ohne Gentechnik“-Siegel und mit dem Siegel „Pro Weideland – Deutsche Weidecharta“ vom Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen e.V. gekennzeichnet. Das garantiert, dass die Milchprodukte von Kühen stammen, die an mehr als 120 Tagen im Jahr über sechs Stunden täglich auf der Weide stehen. Für jede Milchkuh sind pro Jahr mindestens 2.000 Quadratmeter Grünland vorhanden, wovon 1.000 Quadratmeter als Weidefläche zur Verfügung stehen. Eine ganzjährige Bewegungsfreiheit für die Tiere ist ebenfalls gewährleistet. Neben dem Futter von Wiesen und Weiden erhalten die Kühe ausschließlich gentechnikfreies Futtermittel.

Wir haben bei Lidl nachgefragt. Was bezweckt der Discounter? Melanie Pöter von Lidl teilt uns per Mail mit: “ Bei der Sortimentsgestaltung orientiert sich Lidl Deutschland an Kundenwünschen und legt großen Wert auf Nachhaltigkeit. Dazu gehört auch, dass wir dem Verbraucherbedürfnis nach höheren Tierwohlstandards gerecht werden, indem wir Tierwohlkriterien über den gesetzlichen Mindestanforderungen fördern und unterstützen. Das Tierschutzlabel auf unseren Produkten ist dabei ein Beispiel für einen nachhaltigeren Umgang mit tierischen Erzeugnissen. Gleichzeitig dient das Label als Orientierungshilfe beim Einkauf. Kunden können sich sicher sein, dass sie durch den Kauf von Produkten mit dem Tierschutzlabel beispielsweise bessere Haltungsbedingungen und eine wiederkäuergerechte Fütterung fördern.“

Und wie wirkt sich das ganze auf die Preise aus? Hierzu schreibt sie uns weiter: „Während die konventionelle Frischmilch in der Fettstufe 3,5 Prozent aktuell 0,69 Euro kostet, ist die Weidemilch mit der Premiumstufe des Tierschutzlabels beispielsweise für 0,99 Euro erhältlich.“

Lidl hatte sich in seiner Meldung auch zum Milch-Mehrwertkonzept geäußert. Was genau damit gemeint ist, liest sich so: „Gemeinsam mit Landwirten und Molkereien hat Lidl in den vergangen Jahren Milch-Mehrwertkonzepte entwickelt, die das Produkt Milch aufwerten und damit neue Vermarktungsmöglichkeiten für Landwirte schafft. Die Weidemilch ist eines der Mehrwertkonzepte, mit dem Lidl höhere Standards als branchenüblich setzt und höhere Erlöse ermöglicht. Dafür hat Lidl ein Anforderungspaket an den Produktionsprozess der Milchbetriebe, den Transport und die Weiterverarbeitung der Milch sowie ein transparentes Sicherungssystem erstellt. Lidl ist es wichtig, dass an die Milchlieferanten nicht zu schnell zu hohe Anforderungen gestellt werden. Dies birgt die Gefahr, dass Betriebe aufgrund zu hoher finanzieller Belastung vor dem Aus stehen. Daher stellen wir die Weidemilch sukzessive auf die Premiumstufe des Tierschutzlabels um.“

Übrigens Thema Antibiotika „Grundsätzlich ist der präventive Gebrauch von Antibiotika bei der Herstellung von tierischen Erzeugnissen untersagt. Zudem verpflichten wir unsere Lieferanten zu einem restriktiven Einsatz und zur Auflage eines Maßnahmenplans, um Antibiotikaeinsätze langfristig zu reduzieren.“

Weitere Informationen zu den Kriterien der Premiumstufe des Tierschutzlabels und des „Pro Weideland“-Siegel finden sich auch unter folgenden Links: Tierschutzlabel / Pro Weideland

Kontakt
Melanie Pöter
07132/30 60 90
presse@lidl.de