Foto Botanisches Museum - Christiane Jacquat
Foto Botanisches Museum - Christiane Jacquat

Botaniklehre lebt von originalgetreuen Abbildungen. Doch wie sah die Lehre vor 100 Jahren eigentlich aus? Die Glasdias von Josef Hanel sind historische Zeitzeugen und erzählen davon. Der Dekorationsmaler und fotografische Autodidakt Hanel spezialisierte sich zwischen 1915 und 1940 auf die Herstellung farbiger Lichtbilder zu Lehrzwecken. Viele seiner botanischen Fotografien wurden in Publikationen wie einem Ratgeber für essbare Pilze während des Ersten Weltkriegs veröffentlicht.

Hier geht es zur Bildergalerie der Glasdias.

Soweit so gut. Wahrscheinlich war Hanel nicht der einzige Botanikfreund mit fotografischem Geschick. Doch sein Erbe ist „wegen seiner Exaktheit von großem, wissenschaftlichem Wert“, beschreibt Christiane Jacquat diese Dias. Sie ist Archäobotanikerin und emeritierte Museumskuratorin des Botanischen Museums der Uni Zürich. 

Obwohl Farbfilme seit dem Ende des 19. Jahrhunderts erschwinglich wurden, waren handkolorierte Glasplatten aufgrund ihrer Tiefenschärfe für die Projektion auf Grossbildleinwand besser geeignet – und genau das war ja Hanels Metier.

Wer nun glaubt, Hanels Dias seien Werke einer bekannten Persönlichkeit, der irrt. Jacqaut fand die Dias eines Unbekannten bloß zufällig vor einigen Jahren im Keller des Museums und war sofort von ihnen fasziniert.  

Christiane Jacquat

Die Initialen J.H. sagten ihr nichts. Und so begann die Forscherin alles über diese Dias herauszufinden: Josef Hanel fertigte sie zwischen 1915 und 1940 an. Der Sudete verkaufte sie pro Stück für 1,80 Reichsmark. Ein Abnehmer war unter anderen die Kassler Firma Wachenfeld & Schwarzschild. Irgendwann wurde das Botanische Museum auf die Dias aufmerksam. Es brauchte Anschauungsmaterial zu botanischen Lehrzwecken; zwischen 1927 und ’30 erwarb das Museum sie also von
Wachenfeld & Schwarzschild und dann landeten sie ganz still und heimlich im Keller des Museums bis die Archäobotanikerin sie schließlich fand.

All das beschreibt Jacquat nun auf fast 300 Seiten und 230 Farbfotos in ihrem Buch „Die Pflanzenbilder des J.H. – Eine rätselhafte Sammlung handkolorierter Glasdiapositive, ISBN 978-3-03902-000-3. Ihr Buch wurde übrigens beim Deutschen Gartenbuchpreis mit dem 2. Rang in der Katerogie «Bestes Bildbuch» ausgezeichnet.

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