Foto ©pronoia - stock.adobe.com
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Die Männerquote in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen,
die paritätisch mitbestimmt sind, entspricht dem gesetzlich verordneten Anteil. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung.

Laut Gleichstellungsgesetz muss seit 2016 der Anteil der Männer in solcherlei Aufsichtsräten bei 70 Prozent und der der Frauen bei 30 Prozent liegen. Und das ist – laut Studie – zumindest in den 107 Unternehmen so, die unter das Gesetz fallen.

Doch das Gesetz wurde bekanntermaßen nicht für Männer, sondern für mehr Frauen in Aufsichtsräten ersonnen. Und der liegt – wie gesagt – seit Inkrafttreten beim verordneten Anteil von durchschnittlich 33,2 Prozent. Reicht das für den erhofften Wandel?

„Ein kleines Quotengesetz, das nur 107 Unternehmen verpflichtet, und zudem nur für den Aufsichtsrat gilt, produziert noch keinen Kulturwandel“, lautet das Fazit der Studienautorin Marion Weckes vom I.M.U.

Die Frauenquote sorge nicht unmittelbar für einen nachhaltigen Schub in Richtung Gleichstellung bei Führungspositionen. Die Mehrzahl der Unternehmen, die die Quote bereits erfüllen müssen, stellt nur so viele weibliche Aufsichtsratsmitglieder, wie unbedingt erforderlich.

Geschlechtergerechtigkeit sei schließlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht an der Mitbestimmung im Aufsichtsrat festgemacht werden kann, argumentiert die Ökonomin.

Der Geltungsbereich des Gesetzes müsse deshalb, so Weckes Forderung, auf alle großen Kapitalgesellschaften im Sinne des Handelsgesetzbuchs (ab 250 Beschäftigte) ausgedehnt werden – unabhängig davon, ob eine Kapitalmarktorientierung vorliegt oder nicht. Damit würde erreicht, dass auch GmbHs mit gesetzlich vorgeschriebenem Aufsichtsrat verpflichtet wären, ihren Beitrag zur Geschlechtergleichstellung zu leisten. Insgesamt würde die Quote dann in zirka 2250 Unternehmen gelten.

Wie sieht es in den Vorständen aus?

In den Vorständen der quotengebundenen Unternehmen sind Frauen weiterhin wenig vertreten: Zu Beginn des Jahres 2019 waren 43 Vorstandsposten (9 Prozent) mit Frauen besetzt. In sieben Unternehmen waren zwei Frauen im Vorstand. In zwei Unternehmen gab es weibliche Vorstandsvorsitzende. Da die Verträge von Vorständen in der Regel mehrjährige Laufzeiten haben, sei nicht zu erwarten, dass innerhalb kurzer Zeit viel mehr Frauen in den Vorstand einziehen. Gleichwohl hätten die Unternehmen bereits weit vor der gesetzlichen Verpflichtung Maßnahmen ergreifen müssen, um mehr Frauen für Vorstandsposten zu qualifizieren, so Weckes.

Eine Wirkung auf den Frauenanteil in den Vorständen sei zwar vorhanden, eine darüber hinaus gehende Strahlkraft, zum Beispiel auf Unternehmen, die von der Quote nicht direkt erfasst werden, entfalte das Gesetz aber nicht.