Blaumachen

Die Krankenstandsquote hat sich in Deutschland laut Robert-Koch-Institut und Statistischem Bundesamt innerhalb der letzten zehn Jahre um rund 30 Prozent erhöht. Und dies, obwohl Unternehmen und Krankenkassen im gleichen Jahr die Rekordsumme von knapp 6,5 Milliarden Euro für die betriebliche Gesundheitsförderung ausgegeben und in zahlreiche Maßnahmen wie Gesundheitstage, Fitness- und Entspannungsangebote oder Stressmanagement investiert haben.

„Das Geld hätten sich die Betriebe und Krankenkassen vermutlich sparen können“

(Prof. Sabine Hammer*)

Prof. Dr. Sabine Hammer hat mit einem Forscherteam gerade eine Untersuchung zum Thema Mitarbeiterzufriedenheit und Krankmeldungen abgeschlossen. Deutschlandweit wurden in sechs Großunternehmen ausführliche Interviews mit 180 Mitarbeitern aus Handwerk, Personentransport, Reinigung und Service durchgeführt.

„Die von uns untersuchten Zielgruppen nehmen diese Aktivitäten sehr häufig als unpassend wahr und empfinden sie teilweise auch als Bevormundung oder Einmischung des Arbeitgebers. Das lässt sich leicht nachvollziehen, wenn zum Beispiel einem körperlich hart arbeitenden Angestellten Fitnesstrainings als besonderes Angebot angekündigt werden.“

 

Die Hauptursache für hohe Krankenstände ist nach den Untersuchungsergebnissen der Effizienzdruck, der auf den Unternehmen lastet. Er wird nach unten weitergegeben und damit im operativen Bereich besonders spürbar. „Die größte Herausforderung für Betriebe wird unserer Ansicht nach sein, diesen Effizienzdruck so zu kanalisieren, dass die Krankenstände nicht noch weiter steigen beziehungsweise dauerhaft reduziert werden können“ erläutert Hammer.

Eine Folge ist, dass diese Mitarbeiter nicht nur häufiger krank werden, sondern sich auch im Falle eines so genannten indifferenten Gesundheitszustands heute eher dafür entscheiden, zum Arzt zu gehen und sich krankschreiben lassen. „Hier findet eine deutliche Verschiebung statt“, sagt Hammer.

„Für unsere Gesprächspartner war entscheidend, dass sie das Gefühl haben, mehr zu leisten als sie zurückbekommen. Diese Wahrnehmung ist wissenschaftlich sehr gut untersucht und erhöht das Risiko, langfristig krank zu werden, erheblich. Die Befragten sind durchaus stolz auf ihre Berufe, trotzdem kämpfen sie mit einer geringen Anerkennung im eigenen Unternehmen und in der Gesellschaft.“

*Prof. Sabine Hammer von der Hochschule Fresenius

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