Kennen Sie diese schlecht gelaunten Menschen, die aus jedem Pups einen Elefanten machen? Um solche Sachen dreht sich das Märchen. Elefanten kriechen aus dem Haar, wenn die Laune übel wird. Eine Fee rät: Sieh das wirklich Wichtige im Leben. Dann bist du sie los!  

Märchen

Es war einmal ein kleiner Junge, der wollte immer das haben, was er nicht bekam. Und weil der Junge sehr reiche Eltern hatte, konnten sie ihm alles kaufen, wonach er verlangte, aber nichts half.

Das wirklich wichtige ist nur einmal im Leben zu haben. Es kommt auf dich zu und du musst es halten.

Wenn sie ihm ein goldenes Spielzeug gaben, dürstete es ihn nach einem noch schöneren, holten sie ihm einen wunderschönen Schimmel herbei, beweinte er, dass er keinen Rappen hatte, selbst die wertvollsten Speisen reichten ihm nicht, und wenn sie ihn in Seide und Kaschmir kleideten, wollte er noch feinere Stoffe haben, ja, die schönsten Landschaften verloren ihren Reiz, weil er glaubte, dass es immer noch lieblichere gebe. Der kleine Junge war so unzufrieden, dass er in einem fort weinte und sich an einen anderen Ort sehnte, nämlich eben genau dorthin, wo er gerade nicht war.

Und abends, wenn er in seinem Bettchen lag, drang sein Wehklagen durch das Schlüsselloch seines Türchens zu seinen traurigen Eltern durch, die sehr verzweifelt waren, weil sie ein so unglückliches und untröstliches Kind hatten. Er weinte so doll, dass der Teich im Garten des Schlosses, in dem er mit seinen Eltern wohnte, vergrößert werden musste, um Platz für all die Tränen zu schaffen, die er vergoss. Nach wenigen Wochen ward aus dem Teich ein See geworden, der das ganze Land zu überfluten drohte, also ließen seine Eltern Kanäle zu den umliegenden Flüssen graben, durch die seine Tränen abfließen konnten. Sie flossen durch wunderschöne Landschaften, milde Auen und farbenfrohe Haine, vorbei an grünen Wiesen und dichten Feldern mit Blumen.

Die Blumen funkelten so sehr in der Sonne, dass selbst sie gegen ihren Glanz verblasste, bis die Tränen schließlich ins Meer strömten und dann um die ganze Welt zogen. Und wenn ihm seine Eltern zur Aufheiterung in ihrem reich verzierten Schiffe mitnahmen und zeigten wie wunderschön es dort ¡st, wo seine Tränen sind, wurde er noch unzufriedener und noch schlechter gelaunt, denn erfand nichts schönes daran.

Seine Tränen fließen still durch schöne Landschaften

Seinen Eltern brach es das Herz, die Jahre verstrichen und aus dem Kind wurde ein Knabe und aus dem Knaben ein Jüngling. Nichts aber konnte etwas an seiner Unzufriedenheit ändern. Ja, es wurde nur noch schlimmer, er entwickelte mit den Jahren lngrimm und Verdruss. Wenn der Jüngling zum Beispiel sah, dass ihm sein Diener die Haarbürste an einen anderen Platz legte, gelangte er in Raserei so lange bis die Erde die Sonne zwei Mal umrundete. Seinen lieben Eltern begegnete er mit Eiseskälte und er hatte kein einziges freundliches Wort mehr für sie übrig, sein Diener war ihm Luft und auch seine arme Amme würdigte er keines Blickes mehr. Ebenso, wenn er eine Essensspur auf seinen schönen Gewändern fand, oder wenn sich im Schlossgarten das Gras neigte, weil ein Lustwandler zu lange auf der Stelle verharrte, um die schöne Natur zu bestaunen, neigte sich sein Gemüt allem Dunklen entgegen.

Seine Eltern waren sehr traurig, denn die Zeit war gekommen, da sie an seine Zukunft dachten und wussten, dass ihr Kind nun selber eine schöne Frau heiraten würde und sie ihm viele reizende Kinder würde schenken wollen. Die Eltern fragten sich mit großer Sorge, welche Frau im Lande wohl die vielen Prüfungen ihres Kindes bestehen könnte, nachdem die ersten Monate der Schwärmerei vergangen sein würden. Sie grämten sich so sehr, dass die einst schönen glänzenden Haare der Mutter die Farbe wassergetränkter Regenwolken angenommen hatten, und dass der Vater den Lauf der Sonne am Tage nur selten erblicken konnte, weil ihn die Schmerzen, die ihm der Gram in den Rücken gebrannt hatte, ans Bett fesselten.

Eines Tages war der Tag nun gekommen, da der Jüngling Gefallen an einem holden Kinde mit goldenem Haar und Augen so grün und glänzend wie ein Malachit fand. Und auch das Kinde ward von der Schönheit des Jüngling verzaubert. Nach drei Monden sollte die Vermählung sein, aber weil der Vater des Jünglings schlau war und das Gemüt seines Sohnes kannte, lud er die Braut ein, bis zur Hochzeit mit ihnen gemeinsam im Schlosse zu verbringen. Die holde Schönheit war entzückt von soviel Lieblichkeit und willigte sofort ein, ohne seinen Oheim um Erlaubnis zu bitten.

Der Jüngling war wie ausgewechselt, er lachte in einem fort und erfreute sich seines Lebens. Er fand Gefallen an allem, was er sah. Die Sonne, der Mond und die Sterne, ja die Gezeiten versetzten sein Herz in Entzücken. Seiner Mutter fiel ein Stück Blei vom Herzen, ja, jetzt war sie voller Gewissheit, dass ihr Junge geheilt war. Sie schloss die Braut noch mehr in ihr Herz und in ihre Gebete. Auch das Mädchen war glücklicher als jemals zuvor in ihrem jungen Leben. Der Jüngling bedachte sie nur mit den wertvollsten Geschmeiden. Gold und Silber brachte er ihr, jeden Tag ein weiteres Stück, reichlich mit Edelsteinen verziert.

Das soll der Hochzeitsring sein

Nun beschloss der Jüngling, auszufahren, um seiner Angebeteten den Hochzeitsring als Zeichen seiner immerwährenden Liebe anfertigen zu lassen. Der Abschied von dem holden Mädchen fiel ihm schwer, weil er sie nicht für einen Flügelschlag aus den Augen lassen wollte. Aber seine lieben Eltern versprachen ihm, gut auf das Mädchen aufzupassen.

Beruhigt machte er sich dann aul schlug seinen mit Brokat besetzten Wams um, zog den Dreizipfler auf, spannte die Rosse an und sah der Reise mit größter Zuversicht und Freude auf das anstehende Feste entgegen. Er war sehr umsichtig denn der Himmel verdunkelte sich, also packte er ein dickes Fell zum Regenschutz für sich und jedes Pferd ein.

So zog er los. Er fuhr über Stock und Stein, ließ zur rechten die Haller,schen Wiese liegen, die Pferdchen jauchzten und sprangen leichtfüßig, denn er stimmte ein Lied an als er vorm Trößfeld abbog. Die Stunden seiner Reise verstrichen wie im Fluge, er sah hie hin und dort hin, grüßte die bunten Felder, empfahl sich den Vöglein, die am Wegesrand ein Lied für ihn anstimmten, hofierte die Sonne und scherzte mit den Hasen am Wegesrand. Dann sah er am Feld ein Blümlein stehen so hold wie seine Angebetete selbst und weil es so liebreizend funkelte, wollte er es ihr mitnehmen und den Ring dort hinein legen.

So wie hier will er den Ring in eine Blüte legen

Er hielt an und als er hinab stieg, um es zu nehmen, trat er mit seinem edlen rechten Schuh aus feinster chinesischer Seide und Leder aus dem Orient, bestickt mit Goldfäden und silbernen Blumen verziert in eine Pfütze aus Schlamm, die der letzte Regen vergessen hatte und er versank bis zu seinem Knie im Schlamm. Oh, wie weh es ihm da wurde, mit einem Male verdunkelte sich sein Gemüt, in seiner Brust schnitt es kalt wie Eis, Wut stieg auf und nahm Besitz von ihm und seinem ganzen Geiste. Sein schöner Schuh, bejammerte er, den er einst hat anfertigen lassen, war jetzt voller Dreck und Unrat, über ihn würde niemals mehr ein Glanz huschen. sein Geschimpfe und Gezeter, sein Fluchen und Fauchen dröhnte durch den ganzen Wald über die Hügel hinaus bis zu den Ohren seiner Eltern. Sie erstarrten sekundenschnell und auch die Amseln und Kiebitze verstummten, die Füchse trollten sich, die Hasen ergriffen im Zickzack die Flucht und alle Blumen verschlossen sich und verloren ihren lieblichen Glanz. Der Jüngling von unbändigem Zorn gepackt, machte auf der Stelle kehrt und fuhr aufs Schloss zurück.

Seine Liebste, als sie ihn sah, konnte es kaum glauben, dass er so schnell zurück sei und reichte ihm ihr zartes Händlein als Zeichen ihrer unendlichen Freude über seine rasche Heimkehr. Er aber ward zu Stein geworden, sah sie nicht, wandte sich ab von ihr und sein Antlitz verriet nichts Gutes, seine Augen waren leer und kalt, deren einstiges Braun hatte das Grau eines Raben angenommen, der im winter seine Beute zerfleischt. Die Braut konnte nimmer mehr Gutes in ihnen sehen. Und als er an ihr vorbeiging, hatte sie ein großer Schock ergriffen, sie warf ihren kleinen Körper zu Boden und schlug die Hände auf die Holzdielen, dass ihr die Fäuste schmerzten. Sie war verzweifelt und konnte nicht glauben, was sie sah. Sie lief zur Mutter und erzählte ihr unter Tränen von, dem was die Augen des Jünglings ihr gesagt hatten. Und die Mutter sah wieder den Fluch auf ihrem Sohne liegen wie er erneut Besitz von ihm ergriff und holte den Vater zur Hilfe.

Sie kam nicht mehr zu ihm durch

Die Braut war verzweifelt, lief erneut zum Jüngling, aber er verschloss ihr die Tür. Sie klopfte mit ihren zarten Fingern ein letztes Mal an die dicke Eichentür, er aber schrie: <<Lass mich!>> Dies Wort traf die Braut wie ein die Spitze eines Degens in ihrem Busen und tat wie er ihr befohlen. Noch am selben Tage kehrte sie unter großem Schluchzen zurück zu ihrem Oheim.

Die Eltern mochten nicht glauben, was sich zugetragen hatte. Was gerade noch so hell und klar vor ihnen lag, ward jetzt zu einem dunklen Schlund geworden, der nur Schlechtes gebar und alles Gute verschlang und mit Pech und Schwefel in eine hässliche Fratze verwandelte. Dann klangen aus dem Zimmer des Jünglings wieder die verderblichen und nach Unrat stinkenden Klagen. Dem Diener kam eine Idee. Er wusste, dass draußen im Walde ein alter Zauberer wohnte, es hieß, er könne jedem sein Glück bringen. Von ihm berichtete er den Eltern des Jüngling, und weil die Eltern weder ein noch aus wussten, nahmen sie alles in Kauf ja, sogar die gefährlichste Reise durch den dunkelsten und tiefsten Wald, durch den sich schon viele auf dem Weg zum Zauberer verlaufen hatten und nie mehr zurückgekehrt waren.

Durch den geheimnisvollen Wald führt der Weg zum Zauberer

Nur ihre Gebeine fanden die, die sie suchten, irgendwann unter der dicken Laubdecke. Die gebrechlichen Eltern sahen also keinen anderen Ausweg als ihr Päckchen zu schnüren, genügend Proviant und eine Öllampe einzupacken, die ihnen im dunklen Wald den Weg leuchten solle und machten sich auf, um ihrem Jungen das Glück in sein modriges Leben zurückzuholen.

Nach Sonnenaufgang überquerten sie zuerst die Halle/sche wiese, bogen danach rechts ins Trößfeld ein und folgten die nächsten Stunden dem anliegenden Erdweg bis sie den Rand des gefährlichen Waldes erreichten, von dem es hieß, hier lebe der Zauberer. Die alten setzten sich auf einen Stein, um ein wenig auszuruhen, denn ihre Rücken und Füße schmerzten sehr vom anstrengen Weg und ihre Kräfte ließen nach. Als es dunkel ward, zündete der Vater die Öllampe an, dann umschloss er seine Frau mit den Armen, weil sie große Angst hatte. Plötzlich vernahmen sie unter dem Stein, auf dem sie saßen, ein Rascheln und hörten eine Zwergenstimme krächzend fragen: <<lhr wollt zum Zauberer?>> Die armen Eltern erschraken und als sie sahen, wie ein Vomp zum Vorschein kam, zitterten sie noch mehr. <<Ja, kennst du ihn?>> fragte die Mutter verhuscht und der Vomp lachte laut und seine Antwort erklang im Echo: <<Natürlich kenn ich den Zauberer. Hütet Euch vor seiner Kunst.>> Dann sprach er so leise, dass man ihn kaum mehr hören konnte, die Eltern beugten sich zu ihm herunter und er sprach ihnen leise ins Ohr: <<Geht nur weiter und haltet aneinander fest bis ihr zum Häuschen kommt, wo die Kinder mit dem Salzschauer wohnen, dahinter biegt ihr links ab, dann geht immer weiter geradeaus bis ihr zur schauenden Eiche gelangt, hier seht ihr ein Loch im Boden, passt auf, dass ihr nicht hineinfallt. Es hat keine Tür, aber klopft an, drei Mal lang und drei Mal kurz und ruft dabei:

Zauberer guter Zauberer, öffne dein Tor und deine Kraft für uns.

Den Eltern fröstelte, doch der Vater ahnte die gute Fügung und war dem Vomp sehr dankbar. Als er ihm die Hand mit seinem Brot als Dank reichen wollte, war der Vomp schon längst wieder unter dem Stein verschwunden.

Sie taten sogleich wie er ihnen geraten hatte, denn sie wollten keine Zeit verlieren. Sie bogen hinter dem Häuschen, wo die Kinder mit dem Salzschauer wohnten links ab, gingen bis zur schauenden Eiche und klopften dort an, wo keine Tür war, erst drei Mal lang und danach dreimal kurz und sprachen <<Zauberer, guter Zauberer, öffne dein Tor und deine Kraft für uns. Nichts tat sich. Sie sagten den Spruch noch einmal und dann öffnete sich ächzend eine Klappe und ein alter Mann mit einem langen spitzen Bart, der so lang war, dass er hinter dem Ofen aufgerollt war, auf dem er seinen Zaubertrank braute, lugte hervor. <<Was wollte ihr?>> grummelte er mit alter schwerer gelangweilter Stimme. Es brodelte und gluckste im Hintergrund, in jeder Ecke stieg Dampf auf und ein Rabe lachte aus einem dunklen Winkel, dann sah der Vater eine schwarze Katze dem Zauberer auf die Schultern springen.

Die Eltern erzählten von ihrem unglücklichen Kinde, dann lachte der Zauberer schallend auf und sagte:

Oh, der, der aus jeder Mücke einen Elefanten macht, meint ihr den? Ja, von dem hab ich gehört. Ha haa, dieser Dummkopf, ihm fehlt die Begabung für’s Wesentliche. ihm kann ich helfen, wartet nur ab!

Und so bat er die Eltern herein. Dann rührte er hier und da, befrug die Katze und den Raben, nahm seinen Bart zwischen die Finger, zupfte an ihm, öffnete eine Luke, die nach draußen führte und hielt die Spitze des Barts in die Luft. Er nickte und sagte: <<Heute ist der richtige Tag, um euerm Kind die Allüren auszutreiben.>> Dann ging er an seinen Herd und rührte beschwörend im Sud. Nach zwei Stunden bat er die Mutter und den Vater je drei Maß zu trinken. Sie taten dies unter großem Würgen und Weh. <<Ja, das könnt ihr dem Kinde danken, dass ihr’s schlucken müsste. Der wird’s aber doppelt nehmen müssen.>> Dann strich er beiden übers Haar und gab ihnen eine lange Gerte mit: >>Hier, das haltet immer bei Euch, damit könnt ihr Anweisungen geben, aber seid niemals zu streng damit, bedenkt das immer.>> ermahnte er.

Dann verließen sie ihn, gingen den langen Weg zurück zum Schloss. Und als sie ankamen, trauten sie ihren Augen nicht. Denn im geliebten Schlossgarten tummelten sich Elefanten. Die Mutter schrie vor Entsetzen, kannte sie solch Getier doch bislang nur von ihrem kostbaren Porzellan. Die Eltern näherten sich dem Schlosse und auch das lnnere war über und über mit Elefanten bedeckt. Wo einst die Gemächer der Familie waren, standen, lagen, tanzten und sangen vergnügt die Elefanten. Dann kam ihnen der Diener entgegen und schrien vor Entsetzen: <<Mein Herr, plötzlich waren so viele Elefanten überall, und es werden immer mehr, jede Stunde kommen sie hinzu.>> Dann kam der Jüngling voller Zorn, er verfluchte die Tiere und jedesmal, wenn er wieder einen Fluch und einen Zorn aussprach, krochen aus seinem Haar neue Elefanten. Erst waren sie ganz klein, wuchsen aber innerhalb kürzester Zeit zu wahren Kollossen heran und der Jüngling ärgerte und ärgerte sich grün und blau, weil sie all seine teuren Sachen zertrampelten. Er war verzweifelt und lief zwischen Elefantenbeinen hindurch in den Garten.

Er warf sich vor Zorn auf die Erde und immer kamen mehr hinzu immer immer mehr, doch dann, dann hörte er aus weiter Ferne ein höhnisches Lachen. Es war der Zauberer, der sich all das in seiner Höhle weit draußen im tiefen Wald in seinem Sud besah und er zischte durch die Luft: <<Nun, mein Sohn, du kannst es ändern, trenne das Wesentliche vom Unwesentlichen. Wenn du das kannst, musst du dich nicht mehr ärgern und die Elefanten kommen nicht mehr.>> Und der Jüngling schrie in den frühen Abend hinein:

Aber was ist das wichtige?

 

 

Dabei zerzauste er sich mit beiden Händen das schöne Haar, wand den Kopf und es brannte wie Feuer in seiner Brust, schlug wieder und wieder mit den Händen aufs Gras und schrie so nach Luft schnappend, dass er kaum einen Laut herausbrachte. Er schrie zurück in den wald: „Hilf mir doch, was ist das wichtige, sag’s mir doch!“ Dabei drehte er seinen Mund in die Erde, die Fäuste umgriffen verkrampft den Dreck und er zeterte und klagte und wurde zorniger und zorniger und er brachte einen nach dem anderen Elefanten hervor „lch weiß es doch n¡cht, ich weiß es doch nicht!“ schrie er halb ohnmächtig vor Zorn. Aber der Zauberer schwieg. Der Jüngling vernahm keinen Laut mehr von ihm. Er war erschöpft und fiel am Boden liegend in einen tiefen Schlaf.

Erst in der Nacht erwachte er als eine schöne Elfe seine Nase umflog. Sie kitzelte ihn mit ihrem dünnen Halm an seiner Stirn bis er die Augen aufschlug und er erschrak. ,,Wer bist du?“ Sie lächelte mild und blickte süß in seine ängstlichen Augen: <<lch kann dir helfen, denn ich will dir sagen was wichtig ist und was unwichtig ist.>> Der Jüngling setzte sich auf:

„Denn merke dir, du schöner Unhold, das wirklich wichtige ist nur einmal im Leben zu haben. Es kommt auf dich zu und du musst es halten. Wisse, es ist sehr empfindsam und zerbricht sehr schnell. Aber das unwichtige kommt immer wieder und ganz oft zu dir zurück. Aber verstehe dies: Was du suchst, liegt in dir, lieber Freund, nur da findest du es.“

Damit verschwand sie und tauchte ihn erneut in einen langen, ruhigen Schlaf. Als er erwachte, sah er all die Elefanten um sich wie sie mit ihren langen Rüsseln an seinen Ohren, Armen und Beinen knabberten. Als er sich umsah, hatten sie alles Grün aus dem Garten gegessen, ja, es schien ihm als wäre der Garten ein riesiger Fressnapf geworden und seine Eltern fuchtelten mit ihren Gerten um sich und siehe da, die Elefanten traten ihnen zur Seite. Bei ihm aber half alles nichts, keine Gerte, kein Ast, keine Zweig, nichts konnte die Kolosse vertreiben. Das ärgerte ihn und er gebar wieder welche.

Bei jedem neuen Gedanken, der ihn ärgerte, krochen weitere unter seinem Haar hervor, purzelten über seine Schulter, auf seine Zehen und wuchsen zu Riesen heran. Er wollte raus aus diesem Kreislauf. Also besann er sich auf das, was ihm die Elfe geraten hatte. Er wurde plötzlich ganz ruhig zog sich in den Wald zurück und dort blieb er viele Monate. lhm war dort die Einsicht zuteil geworden, denn als er aus dem Wald zurück kam, war er ein anderer Mensch. Er ging zu seinen Eltern und erzählte ihnen davon. Der Jüngling wollte nie mehr zornig werden. Das gelobte er beim Haar des Zauberers. Die freudige Kunde verbreitete sich sehr schnell im ganzen Land. So hörte auch die einstige Braut von der Wendung. Sie schickte sofort ihren Oheim aus, um erkunden zu lassen, ob es wahr wäre. Und es war wahr.

Nach drei Monden wurde endlich die Hochzeit gehalten, alle waren glücklich und zufrieden und auch der Jüngling lachte und jauchzte den ganzen Tag. Bald ward ein Kinde geboren und den Eheleuten deuchte, das Kind könnte das Gemüt des Vaters haben. Doch es war eine Täuschung, allerdings lugte manchmal ein kleiner Elefant aus dem weichen Haar des Kindes hervor, der Vater aber wusste ihn am besten zu vertreiben. Und so lebten die Eheleute mit ihren Kindern und den Großeltern in üppiger Harmonie und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.